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Liebe Freunde,

Ich übermittle Euch den Aufruf der streikenden Kumpel der polnischen Zeche "Budryk" an Gewerkschaften und Arbeiter im Ausland.

Im Namen des Landesverbandes der Freien Gewerkschaft "Sierpień 80" (August 80) bitte ich Euch um Eure Solidarität mit den Streikenden, und besonders im Zusammenhang mit dem folgendem Appell, bitte ich Euch um entsprechende Petitionen und Anfragen an die polnischen Botschaften und um Proteste vor diesen und um eine Stärkung des Stiftung für die Familien der Streikenden.

Die Situation der Streikenden ist dramatisch. Ihr Wille und ihre Entschlossenheit ist sehr hoch, aber sie reicht nicht. Eure Solidarität könnte die Waagschale zu ihren Gunsten wenden und Betriebsleitung und regionale Organe dazu zwingen mit den Streikenden ein Abkommen zu schließen.

Vom Ausgang des Streiks in "Budryk" wird es vor allen Dingen abhängen, ob die Arbeiterschaft in Polen in einem Land leben wird, in dem ihre Rechte und Interessen respektiert werden oder in einem Land, in dem allein der Wille der Arbeitgeber und eine zügellose Ausbeutung zählt.

Mit den besten Grüßen - Bogusław Ziętek
Vorsitzender der Freien Gewerkschaft "Sierpień 80"

Gleicher Lohn für Gleiche Arbeit!

Aufruf der streikenden Kumpel der polnischen Zeche "Budryk" an Gewerkschaften und Arbeitnehmer im Ausland

Ornontowice, 26. Januar 2008

Jetzt streiken die Beschäftigten der Steinkohlenzeche "Budryk" in Ornontowice in Oberschlesien schon den zweiten Monat. Daran nehmen fast alle Beschäftigten aus dem produzierenden Bereich teil. Sie streiken unter extremen Bedingungen. Die einen besetzen in 700 m Tiefe die Zeche. Über 30 Kumpel sind in 1000 m Tiefe im Hungerstreik. Die restlichen Kumpel führen die Besetzung übertage durch.

Das Streikkomite wird von vier Gewerkschaftsverbänden geführt: ZZ "Kadra", WZZ "Sierpień 80", ZZ Ratowników Górniczych w Polsce i ZZ "Jedność Pracowników Budryka".

Die Kumpel verlangen eine Lohnangleichung an die anderen Zechen der Gesellschaft JSW AG. Im Augenblick betragen die Lohnunterschiede 20%. Dies entspricht nicht dem Gesetz, das diskriminierende Gehaltsunterschiede beim gleichen Arbeitgeber verbietet.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!

Die Zeche "Budryk" ist eine der besten Zechen des Steinkohlebergbaus in Polen. Sie ist die modernste, hat die höchste Produktivität und Gewinne. Diese Gewinne kommen jetzt auch der gesamten Kohlegesellschaft der JSW AG zugute. Die Kumpel von "Budryk" verlangen keine Hilfe oder Zuschläge vom Staat. Die Lohnerhöhungen, die sie fordern, sollen aus den Gewinnen gezahlt werden, die sie erarbeiten. Die Regierung lehnt konsequent einen Dialog und die Anhörung der Forderungen der Streikenden ab, obwohl die Zeche "Budryk" und JSW S.A. Eigentum des Staates sind und die Aufsicht darüber der Wirtschaftsminister hat. Der Vizepremier und Wirtschaftsminister Waldemar Pawlak hat eine Delegation von Frauen der Kumpel, die nach Warschau gefahren waren, nicht empfangen. Die Leitung der Kohlegesellschaft sagt Verhandlungen ab, führt Scheinverhandlungen durch oder bricht sie immer wieder ab.

Die Streikenden sind einem ständigen Druck durch die Medien, die von der Betriebsleitung und der Regierung inspiriert sind, ausgesetzt. Sie werden Terroristen genannt, der Streik wird als illegal bezeichnet, obwohl laut Gesetz nur ein unabhängiges Gericht berechtigt ist einen Streik als illegal zu erklären und dies ist nicht geschehen. Die Gewerkschaften, die am Streik beteiligt sind, werden verleumdet und es werden Hass-Szenen gegen sie mit Hilfe von öffentlichen Medien und ihnen hörigen Journalisten improvisiert.

Es werden Streikbrecher benutzt, die durch korrumpierte Gewerkschaften organisiert und von Arbeitgeber bezahlt werden. Die Arbeitnehmerrechte und die Freiheit der Gewerkschaften werden nicht eingehalten. Es wird gedroht den Streik mit Gewalt zu beenden. Wir müssen fürchten, dass Blut fließen wird.

Dies alles verschärft den Konflikt und könnte zu tragischen Vorfällen führen.

Wir wenden uns um Hilfe an alle Gewerkschaftsorganisationen und an alle Menschen, denen die Ideale des Kampfes um Recht und Würde der Arbeiter nahe sind, organisiert Mahnwachen vor den Botschaften Polens, übergebt ihnen Petitionen und Anfragen.

Verlangt, dass in Polen die Politik für die Einhaltung der Gesetze sorgt und es nicht gestattet, dass eine staatliche Kohlegenossenschaft Arbeiter diskriminiert und gegeneinander aufbringt, indem sie ihnen unterschiedliche Löhne zahlen.

Verlangt, dass in Polen ein echter und kein scheinbarer gesellschaftlicher Dialog mit den Arbeitervertretern, die die Proteste unternehmen, geführt werden.

Helft den Familien der Streikenden, die schon den zweiten Monat ohne Lebensunterhalt dastehen.

Ohne eine internationale Solidarität der Arbeiter sind wir auf einen einsamen Kampf angewiesen.

Für das Streikkomitee der KWK "Budryk" - Krzysztof Łabądź
Vorsitzender der Betriebskommission der Gewerkschaft "Sierpień 80" KWK "Budryk"

Hilfsfond für die Familien der Streikenden von "Budryk"

Kontoinhaber: ZZ Kadra

Bank: Orzesko-Knurowski Bank Spoldzielczy oddzial Ornontowice (branch Ornontowice),

Adresse der Bank: ul. Zwyciestwa 26, 43178 Ornontowice,

BIC: POLU PL PR

IBAN: PL 23 8454 1053 2001 0041 5426 0001

Verwendungszweck: "Fundusz pomocy dla rodzin strajkujących górników Budryka" (Hilfsfond für die Familien der streikenden Kumpel)

Adresse: 43-178 Ornontowice, ul. Zamkowa 10.


Ornontowice, 29. Dezember 2007

Seit dem 13. Dezember 07 dauert der Protest in der eigenständigen staatlichen Kohlegrube "Budryk" an. Der Protest begann mit dem Hungerstreik von vier Bergleuten und zwei Steigern und hatte zum Ziel die Betriebsführung während eines Arbeitskampfes zu Verhandlungen zu zwingen.

Am 14. Dezember hat der Sprecher der Leitung der Kohlegrube bei einem Fernsehinterview gesagt, sie würden keine Verhandlungen über Lohnforderungen führen bis zum Zeitpunkt des Beginns des Streiks. Damit gab die Leitung zu verstehen, dass nicht ein Hungerstreik, sondern ein formeller Streik der einzige Weg wäre, um mit Gesprächen zu beginnen, die zum Inhalt die Forderungen des Streites hätten.

Am 17. Dezember um 6.00 Uhr hat die technische Belegschaft der ersten Schicht einstimmig beschlossen einen unbefristeten Streik in der Kohlegrube "Budryk" aufzunehmen.

Der Grund für den Streik sind sozialökonomische Fragen, die in den Forderungen des Arbeitskampfes beinhaltet sind. Im Strategiepapier der Regierung für den Bergbau für die Jahre 2007-2015 wurde beschlossen die Kohlegrube "Budryk" in die Strukturen der Jastrzębska Spółka Węglowa S.A (Jastrzebie Kohlegesellschaft AG) zu integrieren. In diesem Zusammenhang wurde der Belegschaft ein Projekt vorgestellt, in dem es zu Vereinbarungen mit der Betriebsleitung und somit zu Vereinigung mit dem neuen Unternehmens kommen sollte. Die Belegschaft hat bei zwei Referenden die vorgeschlagenen Sozialpläne abgelehnt. Trotzdem hat die Leitung der Grube "Budryk" den Widerstand der Belegschaft nicht zum Anlass genommen neue Verhandlungen aufzunehmen, dadurch haben sie das Gesetz nicht beachtet. Dadurch haben sie die Spannung in der Belegschaft erhöht, was zu dem unbefristeten Streik führte.

Folgend dem Willen des Eigentümers – dem Schatzamt – soll "Budryk" in die Strukturen der Jastrzebie Kohlegesellschaft AG angeschlossen werden, aber zu Bedingungen, die für die Belegschaft von "Budryk" nicht annehmbar sind, weil der Lohn der niedrigste aller Gruben dieser Gesellschaft wäre (darunter sind Gruben mit roten Zahlen, bei denen aber nicht die Kumpels schuld sind.) Für die Belegschaft der Grube "Budryk" ist es nicht nachvollziehbar, warum keine Gleichbehandlung aller Arbeiter erfolgt. Dank unabhängiger Medien wurde der Prostest der Kumpel von "Budryk" der Öffentlichkeit bekannt. Die Medien zeigten, dass die Kumpel von "Budryk" nicht weiter wollen als eine Gleichbehandlung mit den anderen Arbeitern dieser Kohlegesellschaft.

In diesem Jahr hat die Belegschaft von "Budryk" 45 Millionen Gewinn erwirtschaftet wodurch sie zu den drei besten Kohlegruben Polens gehört. Gleichzeitig haben die Kumpel hier die niedrigsten Löhne, obwohl ihre Effektivität der Förderung doppelt so hoch ist (bei Budryk kommen 1 400 t geförderte Kohle auf einen Arbeiter, 700 t sind es im Durchschnitt des Landes). Jedoch ist diese Argumentation nicht in das Bewusstsein der Leitungen beider Gesellschaften ingedrungen, wodurch sie den Streik verlängern und zu einem großen Schaden im Staatshaushalt beitragen.

Wir verlangen eine Anhebung der Löhne unserer Belegschaft auf ein mittleres Niveau der Jastrzebie Kohlegesellschaft AG. Vor allen Dingen sollte die Erhöhung den Beschäftigten zugute kommen, deren Gesundheit und Leben besonderen Gefahren ausgesetzt ist. Der seit zwei Wochen dauernde Protest der Belegschaft wird begleitet von krassen Rechtsverletzungen und die Streikenden werden zu irrationalen Verhalten provoziert. Wir wenden uns an alle Kumpels und Menschen guten Willens in Polen mit der Bitte um die Unterstützung unseres Anliegens. Wir bitten um eine finanzielle Unterstützung der streikenden Kumpels, die durch unbegründete Verlängerung der Verhandlungen ökonomisch in die Knie gezwungen werden sollen, um den Streik abzubrechen.

Die Zeche "Budryk" ist als erste im freien Polen erbaut worden. Es ist ein moderner Betrieb, deren Belegschaft 2430 Personen zählt. "Budryk" fährt seit Jahren Gewinne ein. Allein in den ersten neun Monaten 2007 hat sie 45 Millionen Gewinn gebracht und zählt so zu den besten Zechen Polens. Allerdings rangieren die Löhne am Ende der Skala. Dies ist eine ungerechte Behandlung von Arbeitern der gleichen Branche. Die Leitung der Zeche geht seit fast drei Monaten Verhandlungen mit den Arbeitern aus dem Wege. Ihr Ziel ist es Feindschaft unter der Belegschaft zu säen, um so die Aufmerksamkeit von den ökonomischen Problemen der Arbeiter abzuwenden.

Der Streik zieht sich in die Länge und jeder Tag ist ein Tag des Verlustes an Einkommen für die Kumpel und ihre Familien. Dies ist ein großes Problem für die Familien der streikenden Kumpel. Es kann dazu führen, dass der Streik beendet wird, bevor günstigere Bedingungen ausgehandelt werden können.

Das Streikkomitee hat einstimmig beschlossen sich an Bergleute und Menschen guten Willens zu wenden mit der Bitte um eine finanzielle Unterstützung, die den Familien der Streikenden hilft und gleichzeitig ein Abbruch des Streiks verhindert. Das Streikkomitee und die streikende Belegschaft stellen fest, dass alle Kumpel in Polen den gleichen Durchschnittslohn erhalten müssen, denn sie arbeiten alle unter Lebens- und Gesundheitsgefährdenden Bedingungen. Als Beschäftigte staatlicher Zechen sollten wir nicht nach dem Gewinn allein bezahlt werden, denn hier spielen auch noch natürliche Bedingungen im Bergwerk eine Rolle. Also sollten alle Arbeiter in den staatlichen Gruben auch den gleichen Durchschnittslohn erhalten.

Um die Position unserer Zeche zu verteidigen haben wir den heilige Abend und die Feiertage im Betrieb verbracht und werden es auch zu Sylvester und Neujahr tun, "damit wir alle mal besser leben". Wir bitten um Hilfe, damit wir einen Vertrag unterzeichnen können, der alle Kumpels in Polen einschließt. Lasst es nicht zu, dass der seit dem 17.12. dauernde Streik der Belegschaft der Zeche "Budryk" durch partikuläre Interessen im Fiasko endet. Wir kapitulieren nicht, ergeben könnten sich höchstens unsere Kinder – unsere Familien, denen die finanziellen Mittel zu fehlen drohen. Wenn sie UNS heute besiegen dann können sie EUCH morgen besiegen.

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